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Nach dem VerkaufOrientierung nach dem Closing

Themenfeld · Liquidität

Die ersten zwölf Monate planen

Das erste Jahr hat einen Takt, den niemand vorgibt: Fristen, nicht Chancen. Wer ihn kennt, entscheidet in Ruhe statt unter Druck.

Das erste Jahr nach dem Closing hat einen Takt, den niemand vorgibt und den deshalb viele verpassen. Er wird nicht von Anlagechancen bestimmt, sondern von Fristen: Steuertermine, Kündigungsfristen, Meldepflichten, Sechs-Monats-Fenster. Dieser Text ordnet sie der Reihe nach.

Woche 1 bis 4 — nichts entscheiden, alles sortieren

In den ersten Wochen ist die einzige wirklich dringende Frage, wo das Geld liegt und wie es gegen den Ausfall eines einzelnen Instituts verteilt ist. Die gesetzliche Einlagensicherung deckt 100.000 Euro je Einleger und Institut; der Erlös aus einem Unternehmensverkauf fällt nicht unter die erhöhte Deckung des § 8 Abs. 2 EinSiG. Alles Weitere kann warten.

Parallel gehört ein Ordner angelegt, in dem drei Dinge liegen: der Kaufvertrag mit allen Anlagen, die Aufstellung dessen, was noch aussteht (Kaufpreisraten, Earn-out, Treuhandkonto), und die Liste der Verträge, die an das Unternehmen gebunden waren.

Monat 1 bis 3 — die Verträge der Unternehmerzeit

Als Unternehmer laufen Verträge, die mit dem Verkauf ihre Grundlage verlieren oder ihre Bedingungen ändern. Vier davon fallen regelmäßig auf:

Krankenversicherung. Wer freiwillig gesetzlich versichert ist, zahlt Beiträge auf die gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit — dazu zählen nach den Beitragsverfahrensgrundsätzen auch Kapitalerträge und Mieteinnahmen, nicht nur Arbeitseinkommen. Nach dem Verkauf verändert sich die Zusammensetzung dieser Einkünfte grundlegend. Wer privat versichert ist, sollte prüfen, ob der bisherige Tarif noch zur Lebenslage passt.

Bürgschaften und Sicherheiten. Private Bürgschaften für betriebliche Kredite enden nicht automatisch mit dem Verkauf. Ihre Entlassung ist Verhandlungssache mit der Bank und gehört schriftlich bestätigt.

Versicherungen aus der Unternehmerzeit. Betriebshaftpflicht, D&O, Rechtsschutz: Manche laufen weiter, manche haben Nachhaftungsfristen, die bewusst bestehen bleiben sollten.

Darlehen. Wer betriebliche oder private Darlehen vorzeitig ablösen will, sollte die Vorfälligkeitsentschädigung berechnen lassen, bevor er kündigt.

Monat 3 bis 6 — die Steuer greifbar machen

Spätestens jetzt gehört die Steuerlast beziffert. Nicht auf den Euro genau, aber belastbar genug, dass der gebundene Teil des Vermögens feststeht und nicht mehr angerührt wird. Dazu gehören:

  • die voraussichtliche Steuer auf den Veräußerungsgewinn im Verkaufsjahr,
  • die Frage, ob der Freibetrag nach § 16 Abs. 4 EStG und die Tarifermäßigung nach § 34 Abs. 3 EStG beantragt werden — beides ist einmal im Leben möglich und braucht eine bewusste Entscheidung,
  • die Anpassung der Vorauszahlungen für das Folgejahr (§ 37 EStG),
  • die Behandlung von Kaufpreisbestandteilen, die erst später fließen.

Die inhaltliche Einordnung dazu steht im Text zu den Steuerfolgen des Unternehmensverkaufs.

ZeitpunktWas anstehtWarum es an dieser Stelle steht
Woche 1–4Kontenverteilung, Unterlagen sortierenEinlagensicherung wirkt je Einleger und Institut, nicht je Konto
Monat 1–3Krankenversicherung, Bürgschaften, Policen, DarlehenKündigungs- und Umstellungsfristen laufen ab dem Verkauf
Monat 3–6Steuerlast beziffern, Anträge klären, Vorauszahlungen anpassenAnträge nach §§ 16, 34 EStG sind einmalig und bewusst zu treffen
Monat 6–9Versorgungsbedarf festlegen, Struktur entwerfenErst jetzt ist bekannt, wie groß der freie Teil wirklich ist
Monat 9–12Umsetzung in Tranchen, DokumentationVerteilte Umsetzung senkt das Risiko des einen falschen Zeitpunkts

Monat 6 bis 9 — den Bedarf vor die Struktur setzen

Jetzt erst ist die Frage sinnvoll, wie das Vermögen aussehen soll. Sie beginnt nicht mit Produkten, sondern mit zwei Zahlen: Was kostet der Haushalt im Jahr, und aus welchen Quellen soll er künftig bezahlt werden?

Aus diesen beiden Zahlen ergibt sich die Aufteilung zwischen einem Teil, der planbar verfügbar sein muss, und einem Teil, der langfristig gebunden sein darf. Erst danach folgt die Frage nach Wegen und Bausteinen — dazu die Übersicht zur Reinvestition und der Text zur Streuung.

Monat 9 bis 12 — umsetzen, aber nicht an einem Tag

Die Umsetzung einer Struktur ist kein Einzelereignis. Wer den gesamten freien Teil an einem Tag anlegt, macht den Erfolg von genau diesem Tag abhängig. Eine über mehrere Monate verteilte Umsetzung nimmt dem Einstiegszeitpunkt sein Gewicht — sie ist keine Ertragsstrategie, sondern eine Risikoentscheidung.

Am Ende des Jahres sollte dreierlei schriftlich vorliegen: wofür welcher Teil des Vermögens gedacht ist, welche Beträge wann wieder gebraucht werden, und unter welchen Bedingungen die Struktur geändert wird. Dieses Dokument ist im Zweifel wertvoller als jede einzelne Anlageentscheidung darin.

Rechtsgrundlagen und Quellen (5)

Häufige Fragen

Was ist im ersten Monat nach dem Closing wirklich dringend?

Die Verteilung des Guthabens auf Institute und das Sortieren der Unterlagen. Anlageentscheidungen sind in diesem Zeitraum nicht dringend; Fristen aus Verträgen und Steuerrecht sind es.

Ändern sich meine Krankenversicherungsbeiträge nach dem Verkauf?

Bei freiwilliger gesetzlicher Versicherung bemisst sich der Beitrag nach der gesamten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (§ 240 SGB V), also auch nach Kapital- und Mieteinkünften. Da sich deren Zusammensetzung nach dem Verkauf grundlegend ändert, gehört der Beitrag früh geprüft.

Sollte der freie Teil auf einmal angelegt werden?

Eine über mehrere Monate verteilte Umsetzung macht das Ergebnis unabhängiger vom einzelnen Einstiegstag. Das ist eine Risikoentscheidung, keine Aussage über die zu erwartende Wertentwicklung.

Gespräch

Von der allgemeinen Darstellung zur eigenen Lage

Kein Verkaufstermin und keine Produktvorstellung. Ein Gespräch darüber, welche Entscheidungen in Ihrer Lage anstehen und in welcher Reihenfolge.

Nicht für die Prüfung eines konkreten Steuerbescheids oder eines Kaufvertrags — das gehört in die Steuerkanzlei beziehungsweise zur Rechtsanwältin oder zum Rechtsanwalt.

Für ein persönliches Gespräch beraten Marius Krötz (Investmentspezialist) und Michael Protz (Grenzgängerberater).

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Leitfaden · PDF

18 Entscheidungen in den ersten zwölf Monaten

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