Nach dem Verkauf ist der Werkzeugkasten größer als vorher — und das ist keine gute Nachricht. Als Unternehmer gab es eine Anlage: das eigene Unternehmen. Jetzt gibt es Dutzende, und die Auswahl findet unter Bedingungen statt, unter denen man sie nicht treffen sollte: mit einem hohen Betrag, ohne Routine und mit Gesprächspartnern, die von der Entscheidung leben.
Dieser Text sortiert die Wege danach, was sie tatsächlich verlangen — nicht danach, was sie versprechen.
Die drei Fragen vor jeder Anlageform
Jede Anlageform lässt sich mit drei Fragen einordnen, und alle drei sind unangenehm konkret:
- Wie komme ich wieder heraus? Täglich, mit Kündigungsfrist, an einem geregelten Markt, oder erst am Ende einer festgelegten Laufzeit?
- Was muss ich verstehen, um beurteilen zu können, was passiert? Ein Tagesgeldkonto verlangt nichts. Eine unternehmerische Beteiligung verlangt, dass Sie ein Geschäftsmodell beurteilen können, ohne es zu steuern.
- Wer verdient woran? Einmalige Provision, laufende Gebühr, Erfolgsbeteiligung — und in welcher Beziehung steht der, der Ihnen das Produkt erklärt, zu dem, der es herstellt?
Die dritte Frage ist die einzige, deren Antwort Ihnen niemand freiwillig gibt. Sie steht in den Unterlagen, nicht im Gespräch.
Die Wege im Überblick
| Weg | Verfügbarkeit | Was er wirklich verlangt |
|---|---|---|
| Bankguthaben, Tages- und Festgeld | täglich bis Laufzeitende | Aufteilung auf Institute wegen der Deckungsgrenze; die reale Kaufkraft ist die eigentliche Frage |
| Anleihen und Anleihefonds | börsentäglich | Verständnis von Zins-, Bonitäts- und Laufzeitrisiko |
| Aktien und Aktienfonds, ETFs | börsentäglich | Aushalten von Schwankungen über den geplanten Zeitraum |
| Vermietete Immobilien | Verkauf dauert Monate | Zeit, Verwaltung, Klumpen- und Standortrisiko, häufig Fremdkapital |
| Unternehmerische Beteiligungen | gebunden über die Laufzeit | Kapitalabrufe, lange Bindung, keine laufende Bewertung — dazu der eigene Text |
| Eigene Holding als Anlagegefäß | Gesellschaftsrecht statt Depotwechsel | laufende Kosten und Buchführung, Ausschüttungsplanung — siehe Holding |
Was am Verkäufer anders ist als am gewöhnlichen Anleger
Wer ein Unternehmen verkauft hat, unterscheidet sich in drei Punkten von jemandem, der über Jahre Vermögen aufgebaut hat.
Der Betrag kommt auf einmal. Es gibt keinen Sparplan, keinen eingeübten Rhythmus und keinen Erfahrungswert über das eigene Verhalten in Verlustphasen. Genau deshalb ist die Frage, über welchen Zeitraum eine Struktur aufgebaut wird, oft wichtiger als die Frage, woraus sie besteht.
Die unternehmerische Prägung bleibt. Wer jahrzehntelang unternehmerisch entschieden hat, unterschätzt selten das Risiko — aber überschätzt oft die eigene Einflussmöglichkeit. Im eigenen Betrieb konnte man nachsteuern. In einer Beteiligung kann man das nicht.
Der Status als Anleger ändert sich. Ab bestimmten Beträgen und nach einer Prüfung durch die Kapitalverwaltungsgesellschaft können Anleger als semiprofessionell im Sinne des § 1 Abs. 19 Nr. 33 KAGB eingestuft werden. Das öffnet Produkte, die Privatanlegern verschlossen sind, und senkt zugleich das gesetzliche Schutzniveau. Was das im Einzelnen bedeutet, steht im Text zu den Beteiligungen.
Die Reihenfolge, die sich bewährt
Erst der Zweck, dann die Struktur, dann das Produkt. In der Praxis läuft es meistens umgekehrt: Ein Produkt wird vorgestellt, es klingt plausibel, und die Struktur wird nachträglich darum herum gebaut.
Die umgekehrte Reihenfolge sieht so aus:
- Zweck je Teilbetrag. Was ist Reserve, was ist Versorgung, was ist frei? Dazu die Liquiditätsordnung.
- Zeithorizont je Zweck. Wann wird welcher Betrag gebraucht — in Jahren, nicht in Stimmungen.
- Risikobereitschaft je Zeithorizont. Nicht als Fragebogen, sondern als Betrag: Welchen zwischenzeitlichen Rückgang halten Sie aus, ohne die Struktur zu verlassen?
- Erst danach Bausteine wählen — und dabei die Streuung über Anlageklassen, Regionen und Zeitpunkte als eigene Entscheidung behandeln.
Welche Struktur zu Ihnen passt
Das hängt von Zahlen ab, die auf dieser Seite nicht stehen können — Ihren eigenen. Dafür lohnt sich ein Gespräch.
Rechtsgrundlagen und Quellen (2)
Häufige Fragen
In welcher Reihenfolge sollte nach dem Verkauf entschieden werden?
Erst der Zweck jedes Teilbetrags, dann der Zeithorizont, dann die Risikobereitschaft als Betrag — und erst danach die Auswahl von Bausteinen. In der Praxis läuft es häufig umgekehrt: Ein Produkt steht am Anfang und die Struktur wird darum herum gebaut.
Was ist ein semiprofessioneller Anleger?
Eine Einstufung nach § 1 Abs. 19 Nr. 33 KAGB. Sie setzt unter anderem eine Verpflichtung zur Investition von mindestens 200.000 Euro, eine gesonderte schriftliche Erklärung zu den Risiken und eine Bewertung von Sachverstand und Erfahrung durch die Kapitalverwaltungsgesellschaft voraus. Sie öffnet Produkte und senkt zugleich das gesetzliche Schutzniveau.
Gibt es auf dieser Seite Produktempfehlungen?
Nein. Die Darstellung ist allgemein und enthält weder Anbietervergleiche noch Aussagen über zu erwartende Erträge. Welche Struktur passt, hängt von Zahlen ab, die nur im Einzelgespräch vorliegen.
Gespräch
Von der allgemeinen Darstellung zur eigenen Lage
Kein Verkaufstermin und keine Produktvorstellung. Ein Gespräch darüber, welche Entscheidungen in Ihrer Lage anstehen und in welcher Reihenfolge.
Nicht für die Prüfung eines konkreten Steuerbescheids oder eines Kaufvertrags — das gehört in die Steuerkanzlei beziehungsweise zur Rechtsanwältin oder zum Rechtsanwalt.
Für ein persönliches Gespräch beraten Marius Krötz (Investmentspezialist) und Michael Protz (Grenzgängerberater).
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