Solange das Unternehmen existierte, war die Vermögensaufstellung eine Zeile: der Betrieb. Alles hing an einem Markt, einer Kundenstruktur, einer Region, oft an einer Person. Mit dem Verkauf ist dieses Klumpenrisiko verschwunden — zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Die eigentliche Aufgabe der folgenden Monate besteht darin, nicht sofort das nächste zu bauen.
Wie das nächste Klumpenrisiko entsteht
Es entsteht selten durch Leichtsinn. Es entsteht durch Vertrautheit. Drei Muster wiederholen sich:
Die Branche, die man kennt. Wer dreißig Jahre in der Metallverarbeitung war, beurteilt Metallverarbeitung besser als jeder Fondsmanager. Genau deshalb landet überproportional viel Geld dort — in einem Wirtschaftszweig, dessen Zyklus man gerade erfolgreich verlassen hat.
Die Region, in der man lebt. Immobilien im eigenen Umkreis sind greifbar, besichtigbar und verständlich. Sie hängen an denselben lokalen Faktoren wie das Unternehmen, das man verkauft hat, und häufig auch am selben Arbeitsmarkt.
Der eine Berater. Ein einziger Gesprächspartner mit einem einzigen Produktzugang erzeugt eine Struktur, die zu seinem Zugang passt. Das muss nicht in böser Absicht geschehen, um zu wirken.
Streuung ist keine Aussage darüber, was gut läuft. Sie ist die Entscheidung, dass kein einzelner Irrtum die gesamte Lebensplanung erledigen darf.
Die vier Achsen
Streuung findet nicht auf einer Achse statt, sondern auf vier — und die meisten Strukturen sind auf einer davon gut und auf den anderen drei blind.
| Achse | Frage | Typischer blinder Fleck |
|---|---|---|
| Anlageklasse | Wie verteilt sich das Vermögen auf Guthaben, Anleihen, Aktien, Immobilien, Beteiligungen? | Immobilien werden als eigene Klasse gezählt, obwohl sie fremdfinanziert und regional konzentriert sind |
| Region und Währung | Woher stammen die Erträge, und in welcher Währung? | starke Übergewichtung des Heimatmarkts, weil er vertraut ist |
| Zeit | Wann wird eingestiegen, wann wieder entnommen? | alles an einem Tag, weil der Betrag an einem Tag kam |
| Gegenpartei | Wer verwahrt, wer verwaltet, wer haftet? | ein Institut, ein Verwalter, ein Berater für alles |
Die vierte Achse ist die, die am häufigsten fehlt. Sie hat mit Marktentwicklung nichts zu tun, sondern mit der Frage, was passiert, wenn eine einzelne Institution ausfällt — dazu auch die Deckungsgrenzen der Einlagensicherung in der Liquiditätsordnung.
Was gestreut aussieht und es nicht ist
Ein Depot mit fünfzehn Positionen kann weniger gestreut sein als eines mit dreien. Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern die Frage, wovon die Positionen gemeinsam abhängen.
- Mehrere Fonds mit ähnlichem Anlageschwerpunkt sind eine Position mit drei Gebührenzeilen.
- Aktien und Anleihen desselben Unternehmens hängen am selben Unternehmen.
- Immobilien in derselben Stadt hängen an derselben Stadt.
- Und wenn ein wesentlicher Teil des Vermögens weiterhin in einer Rückbeteiligung am verkauften Unternehmen steckt, ist das alte Klumpenrisiko nicht verschwunden, sondern nur kleiner geworden.
Streuung kostet etwas — und was sie kostet
Eine breit gestreute Struktur wird fast nie das beste Ergebnis liefern. Sie liegt regelmäßig hinter der jeweils besten Einzelentscheidung zurück, die man im Rückblick hätte treffen können. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern der Preis: Man gibt die Chance auf das beste Ergebnis auf, um die Wahrscheinlichkeit des schlechtesten zu senken. Verluste bleiben möglich, auch dauerhaft.
Für jemanden, der sein Vermögen erst noch aufbauen muss, kann diese Rechnung anders ausfallen. Für jemanden, der es bereits aufgebaut und gerade realisiert hat, fällt sie meistens eindeutig aus: Es geht nicht mehr darum, reich zu werden, sondern darum, es zu bleiben.
Der praktische Einstieg
- Eine vollständige Aufstellung. Alles, auch das Ferienhaus, die Lebensversicherung, die Rückbeteiligung und die Ansprüche aus Versorgungswerken.
- Gemeinsame Abhängigkeiten markieren. Nach Branche, Region, Währung, Institut.
- Die größte Einzelabhängigkeit benennen — und entscheiden, ob sie bewusst so bleiben soll.
- Die Zeitachse festlegen, bevor der erste Auftrag ausgelöst wird.
Was danach folgt — Auswahl konkreter Bausteine, Gewichtung, laufende Anpassung —, ist eine Arbeit mit Ihren Zahlen. Die Wege dahin stehen in der Übersicht zur Reinvestition.
Rechtsgrundlagen und Quellen (2)
Häufige Fragen
Warum entsteht nach dem Verkauf so häufig ein neues Klumpenrisiko?
Aus Vertrautheit, nicht aus Leichtsinn: die eigene Branche, die eigene Region, ein einziger Berater mit einem einzigen Produktzugang. Alle drei Muster führen dazu, dass viele Positionen von denselben Faktoren abhängen.
Reicht eine große Zahl von Positionen für Streuung aus?
Nein. Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern wovon die Positionen gemeinsam abhängen. Mehrere Fonds mit gleichem Schwerpunkt sind wirtschaftlich eine Position mit mehreren Gebührenzeilen.
Was kostet Streuung?
Eine breit gestreute Struktur bleibt im Rückblick fast immer hinter der besten Einzelentscheidung zurück. Das ist der Preis dafür, die Wahrscheinlichkeit des schlechtesten Ergebnisses zu senken — eine bewusste Entscheidung, keine Nebenwirkung. Ausgeschlossen sind Verluste dadurch nicht.
Gespräch
Von der allgemeinen Darstellung zur eigenen Lage
Kein Verkaufstermin und keine Produktvorstellung. Ein Gespräch darüber, welche Entscheidungen in Ihrer Lage anstehen und in welcher Reihenfolge.
Nicht für die Prüfung eines konkreten Steuerbescheids oder eines Kaufvertrags — das gehört in die Steuerkanzlei beziehungsweise zur Rechtsanwältin oder zum Rechtsanwalt.
Für ein persönliches Gespräch beraten Marius Krötz (Investmentspezialist) und Michael Protz (Grenzgängerberater).
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