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Nach dem VerkaufOrientierung nach dem Closing

Themenfeld · Reinvestition

Family Office nach dem Firmenverkauf: was dahintersteckt

Family Office klingt nach einer Antwort. Tatsächlich ist es eine Frage der Organisation — und der Begriff allein verrät weder, was geleistet wird, noch, wer daran verdient.

Nach einem Verkauf taucht der Begriff schnell auf: Banken, Vermögensverwalter und Beratungshäuser bieten „Family-Office-Leistungen“ an, Bekannte erzählen vom eigenen Family Office. Hinter dem Wort steht kein einheitliches Angebot. Der Begriff ist gesetzlich nicht definiert, und was darunter verkauft wird, reicht von der vollständigen Organisation eines Familienvermögens bis zum umbenannten Depotgeschäft.

Was ein Family Office tut

Im Kern übernimmt ein Family Office die Organisation eines Vermögens, das zu groß und zu vielteilig geworden ist, um nebenbei verwaltet zu werden. Typische Aufgaben:

Überblick und Berichtswesen. Alle Vermögensteile — Depots bei mehreren Banken, Immobilien, Beteiligungen, Darlehen — werden in einer Aufstellung zusammengeführt und regelmäßig bewertet.

Koordination der Fachleute. Steuerberater, Rechtsanwälte, Notare und Vermögensverwalter arbeiten an verschiedenen Stellen desselben Vermögens. Das Family Office hält die Fäden zusammen.

Steuerung der Anlage. Entweder verwaltet es das Vermögen selbst oder es wählt Verwalter aus, gibt ihnen Vorgaben und überwacht deren Arbeit.

Nachfolge und Familie. Testament, Schenkungen, Gesellschafterverträge, die Einbindung der nächsten Generation.

Ein Family Office ist zuerst eine Organisationsform, keine Anlagestrategie. Die Frage ist nicht, was es kauft, sondern wer über das Vermögen den Überblick hat.

Single Family Office und Multi Family Office

Ein Single Family Office arbeitet ausschließlich für eine Familie. Es ist meist eine eigene Gesellschaft mit angestellten Mitarbeitern, die der Familie gehört. Der Vorteil ist die ungeteilte Ausrichtung auf deren Interessen. Der Nachteil sind Fixkosten für Personal, Räume und Systeme, die unabhängig von der Größe des Vermögens anfallen.

Ein Multi Family Office betreut mehrere Familien. Die Fixkosten verteilen sich, die Leistungen sind standardisierter. Für die einzelne Familie ist es ein externer Dienstleister mit eigenen wirtschaftlichen Interessen.

Dazwischen liegen Mischformen: Banken mit einer Family-Office-Abteilung, Vermögensverwalter mit erweitertem Berichtswesen, Steuerkanzleien mit Vermögensbetreuung.

Single Family OfficeMulti Family Office
Für weneine Familiemehrere Familien
Kostenüberwiegend fix, unabhängig vom Vermögengeteilt, meist nach Vereinbarung oder Vermögensgröße
Ausrichtungallein auf die eigene FamilieDienstleister mit eigenen wirtschaftlichen Interessen
Aufbaueigene Gesellschaft, eigenes PersonalVertrag mit einem Anbieter

Ab wann sich ein eigenes Family Office trägt

Eine feste Vermögensschwelle gibt es nicht. Die Rechnung ist einfacher: Ein Single Family Office lohnt sich, wenn der Aufwand, den es ersetzt, seine festen Kosten übersteigt. Das hängt weniger am Betrag als an der Vielteiligkeit: Ein großes Vermögen in einem breit gestreuten Depot braucht wenig Organisation. Ein kleineres Vermögen aus Immobilien, mehreren Beteiligungen, einer Holding und Familienmitgliedern in verschiedenen Ländern braucht viel.

Unmittelbar nach dem Verkauf ist die Lage meist umgekehrt: Das Vermögen liegt zunächst als Geldbetrag vor, und die Vielteiligkeit entsteht erst durch die Anlageentscheidungen der folgenden Monate. Wer zu diesem Zeitpunkt ein Family Office aufbaut, baut die Struktur, bevor feststeht, was sie verwalten soll.

Vergütung und Interessenkonflikte

Wie ein Family Office bezahlt wird, bestimmt, wem es dient. Drei Modelle sind verbreitet:

Pauschalhonorar. Ein fester Betrag für vereinbarte Leistungen. Unabhängig davon, wie das Vermögen angelegt wird.

Vergütung nach Vermögensgröße. Ein Prozentsatz des betreuten Vermögens. Wächst mit dem Vermögen, auch wenn der Aufwand gleich bleibt.

Provisionen aus Produkten. Das Family Office wird von den Anbietern der Produkte bezahlt, die es auswählt. Hier entsteht ein Interessenkonflikt, den Sie kennen sollten: Die Auswahl beeinflusst die eigene Vergütung.

Mischformen sind häufig. Entscheidend ist, dass alle Vergütungsbestandteile offengelegt werden — auch die, die nicht von Ihnen, sondern von Dritten gezahlt werden.

Aufsicht: was der Begriff nicht verrät

Weil „Family Office“ kein geschützter Begriff ist, sagt er nichts darüber, ob der Anbieter einer Aufsicht unterliegt. Maßgeblich ist, welche Leistungen er erbringt. Wer für andere in Finanzinstrumenten angelegtes Vermögen mit eigenem Entscheidungsspielraum verwaltet (Finanzportfolioverwaltung) oder persönliche Anlageempfehlungen zu Finanzinstrumenten gibt (Anlageberatung), braucht dafür grundsätzlich eine Erlaubnis. Berichtswesen und Koordination allein sind keine solche Dienstleistung. Ob ein Anbieter eine Erlaubnis der BaFin hat, lässt sich in deren öffentlicher Unternehmensdatenbank nachsehen; Finanzanlagenvermittler mit Erlaubnis nach § 34f GewO stehen stattdessen im Vermittlerregister der Industrie- und Handelskammern.

Prüffragen an ein Family Office

  • Welche Leistungen sind enthalten — Berichtswesen, Koordination, Vermögensverwaltung, Nachfolge?
  • Wie wird das Family Office vergütet, und erhält es Zahlungen von Produktanbietern?
  • Verwaltet es das Vermögen selbst, oder wählt es Verwalter aus? Mit welcher Erlaubnis?
  • Wer haftet für Fehler, und in welcher Höhe ist die Tätigkeit versichert?
  • Wie kommen Sie aus dem Vertrag wieder heraus, und was geschieht dann mit Unterlagen und Konten?

Wie sich ein Verkaufserlös ordnen lässt, bevor über die Organisationsform entschieden wird, steht unter Liquidität nach dem Verkauf; die Frage, wie sich das Vermögen breit aufstellen lässt, unter Streuung.

Rechtsgrundlagen und Quellen (4)

Häufige Fragen

Was ist ein Family Office?

Eine Organisation, die das Vermögen einer oder mehrerer Familien zusammenführt, überwacht und die beteiligten Fachleute koordiniert. Der Begriff ist gesetzlich nicht definiert; was Anbieter darunter verstehen, unterscheidet sich erheblich.

Was unterscheidet ein Single Family Office von einem Multi Family Office?

Ein Single Family Office arbeitet ausschließlich für eine Familie und gehört ihr meist selbst. Ein Multi Family Office betreut mehrere Familien als externer Dienstleister; die Kosten verteilen sich, die Leistungen sind standardisierter.

Ab welchem Vermögen lohnt sich ein eigenes Family Office?

Eine feste Schwelle gibt es nicht. Entscheidend ist, ob der Aufwand, den es ersetzt, seine festen Kosten übersteigt — und das hängt mehr an der Vielteiligkeit des Vermögens als an seiner Höhe.

Braucht ein Family Office eine Erlaubnis?

Das hängt von den Leistungen ab, nicht vom Namen. Wer für andere in Finanzinstrumenten angelegtes Vermögen mit eigenem Entscheidungsspielraum verwaltet oder persönliche Anlageempfehlungen zu Finanzinstrumenten gibt, braucht dafür grundsätzlich eine Erlaubnis. Erlaubnisse der BaFin zeigt deren Unternehmensdatenbank; Finanzanlagenvermittler mit Erlaubnis nach § 34f GewO stehen im Vermittlerregister.

Gespräch

Von der allgemeinen Darstellung zur eigenen Lage

Kein Verkaufstermin und keine Produktvorstellung. Ein Gespräch darüber, welche Entscheidungen in Ihrer Lage anstehen und in welcher Reihenfolge.

Nicht für die Prüfung eines konkreten Steuerbescheids oder eines Kaufvertrags — das gehört in die Steuerkanzlei beziehungsweise zur Rechtsanwältin oder zum Rechtsanwalt.

Für ein persönliches Gespräch beraten Marius Krötz (Investmentspezialist) und Michael Protz (Grenzgängerberater).

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